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Ein stummer Sommer

Der stumme Frühling – das Buch der Biologin Rachel Carson, das 1962 erschien und zum Bestseller wurde, ist aktueller denn je.
Eine wissenschaftliche Studie bestätigt, dass es heute um 76 % weniger Insekten gibt als 1989. Die Messorte der Insektenzählung liegen in Naturschutzgebieten – kaum auszudenken, wie es in den industriellen Agro-Wüsten Deutschlands und der Welt aussieht.
Die Wochenzeitung  „DIE ZEIT“ hat das zum Titelthema gemacht und dazu einen ausgesprochen lesenswerter Artikel geschrieben, der HIER online zu lesen ist.

Am Höllbachhof schwirrt und summt es im Sommer noch bunt und lebendig.
Aber ich verbringe nach wie vor zwei Drittel meiner Zeit in Hohenbrunn – einem Vorort im sogenannten „Speckgürtel“ von München. In Hohenbrunn gibt es noch mehrere Landwirte, der Ort ist umgeben von Feldern und Wald, bis auf eine kleine Ausnahme allesamt konventionell und hoch effizient bewirtschaftet.

Regelmäßig leuchten hier die orangeroten, mit Glyphosat „totgespritzten“ Flächen, auf denen kein Gras mehr wächst (im wahrsten Sinn des Wortes). Was hier wächst ist „Futter“ für die nahe gelegene Bio-Gasanlage und Gras für Pferdeheu. Was hier nicht wächst sind Büsche, Hecken, Blumen und Kräuter…

Deshalb haben wir vor vier Jahren die Gelegenheit ergriffen und 5 ha Fläche gepachtet. Auf diesem Stück Land wächst seitdem eine Bio-Insektenweide und Bio-Kräuterweide – Futter für Bienen, Hummeln, Schmetterling & Co., Unterschlupf für Bodenbrüter, Hasen und Füchse.

Wenn ich mit Maya meine Runden über die ausgeräumten Monokulturfelder drehe, ist es eine Wohltat an unserer Wiese vorbei zu kommen, wo sich dann geballt allerlei Leben tummelt.


Aber in diesem Sommer war es anders.

Zum ersten mal war alles totenstill. Unsere Wiese blühte, die Sonne schien, aber kein Schmetterling, keine Hummel, kein Käfer war zu sehen.
Einzig die Bienen der umliegenden Imker waren unterwegs auf Futtersuche – Bienen, die gehegt, gepflegt und aufgepäppelt werden, damit sie fortbestehen. (Die Imker sind begeistert von unseren Blumenwiesen und versichern uns bei jeder Gelegenheit, wie sehr sich Honigertrag und Bienengesundheit seither verbessert haben).

Bei jedem Spaziergang überrollte mich eine tiefe Trauer, eine unbeschreibliche Verzweiflung über diesen stummen Sommer.
Den vielen Hundebesitzern, die dort unterwegs sind, fiel das gar nicht auf. Auch nicht den Landwirten, die in den vollklimatisierten, stereobeschallten Kabinen ihrer Monstertraktoren sitzen und über die Felder jagen.

Wenn Glyphosat dann für weitere fünf Jahre zugelassen wird
und in Italien und Frankreich zwei neue (bienengefährliche) Insektizide kurz vor der Erstzulassung stehen, vergeht mir manchmal der Mut.

Wobei – EIN Mittel gibt es, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten:
Wer BIO kauft, sagt NEIN zu Pestiziden, Insektiziden, Kunstdünger & Co.
Wer BIO kauft, schützt den Lebensraum unzähliger Arten – nicht zuletzt auch der menschlichen….

 

Artikel der ZEIT zum großen Insektensterben