Seifen(r)evolution

Ich muss Abbitte leisten. Lange Zeit dachte ich, selbstgemachte Seife wäre einfach nur eine nette Spielerei. Erst vor Kurzem habe ich begriffen, dass sie ein revolutionärer Akt wider dem Konsum, der Umweltverschmutzung und der Verblödung ist!

Seit wir am Höllbachhof leben, ist mir das Thema Abwasser noch mehr im Bewußtsein. Wir haben eine eigene Kleinkläranlage und das geklärte Wasser fliesst direkt neben unserem Haus in den Höllbach zurück. Damit wird unsere Verantwortung ganz unmittelbar sichtbar.

Natürlich verwende ich seit Jahren Biokosmetik und Biowaschmittel. Aber – ganz ehrlich – die Auswahl in den Bioläden ähnelt mehr und mehr der eines Drogeriemarktes. Unzählige Plastikflaschen, Plastik- und Alutuben in allerlei Farben stehen mit ihren Heilsversprechen bereit – das kann’s doch irgendwie auch nicht sein?!

Vor ein paar Monaten dann fiel mir ein kleines Büchlein von Gabriele Nedoma in die Hände mit Rezepten für Waschmittel aus Rosskastanie und Efeu.

Ich hab’s probiert und bin begeistert! Die Wäsche riecht frisch, ist sauber und ich habe nichts anderes verwendet als Rosskastanien und Essig. (Das Rezept findest Du am Ende des Artikels).

Wut steigt in mir auf. Wut auf die völlige Verblödung durch die Werbeindustrie.
Laut Umweltbundesamt werden etwa 630.000 Tonnen Waschmittel jährlich in Deutschland verbraucht. Das sind etwa acht Kilogramm pro Einwohner. Zusammen mit Weichspüler, Waschhilfsmitteln und Wäschepflegemitteln kommen dann sogar etwa 850.000 Tonnen pro Jahr zusammen. Mit jedem Waschgang gelangen die darin enthaltenen Chemikalien mit dem Abwasser in Flüsse und Seen.

Aber in unseren Köpfen ist es von klein auf fest verankert: Sauber wird die Wäsche nur mit einem „gscheiten Waschmittel“. Was für ein Wahnsinn.

 

Natürlich war die Rosskastanie nur der Anfang. Mit Shampoo, Bodylotion & Co. ging es weiter. Deshalb war ich am Wochenende bei der GEA-Akademie in Schrems zum Kurs „Seifensiederei und Naturkosmetik“.
Schuppen von den Augen!! Es ist wirklich haarsträubend, was wir unserer Haut und der Natur um uns herum zumuten.

Der Labello z. B. unterscheidet sich in seinen Inhaltsstoffen von der Malerfarbe im Baumarkt nur geringfügig. Kindershampoo macht nur deshalb keine roten, brennenden, tränenden Augen (was ein natürlicher Schutz des Auges gegen die gefährlichen Chemikalien wäre), weil eine weitere Chemikalie das schlicht verhindert.

Unsere Haut ist funktionell das vielseitigste Organ unseres Körpers. In einem Quadratzentimeter Haut befinden sich etwa 600.000 Zellen, 5.000 Sinneszellen, 4 Meter Nervenbahnen, 100 Schweißdrüsen, 1 Meter Blutgefäße, 15 Talgdrüsen, 5 Haare und 150.000 Pigmentzellen.
Die Kursleiterin, Barbara Freyberger, setzte deshalb als Grundregel:
Gib nichts auf Deine Haut, was Du nicht auch essen würdest!

Ich habe wunderbare Pflegemittel mit nach Hause gebracht: Körper- und Haar-Seifen, eine Deocreme, Gesichtswasser, Hand- und Gesichtspflegecreme. Alles aus feinsten Ölen, Kräutern und natürlichen Düften. Abgefüllt in wiederverwendbare Gläser.

Die Seifen müssen jetzt rund vier Wochen reifen, bevor sie uns und unseren Gästen cremigen Waschgenuss schenken – ganz ohne den Höllbach oder die Mülltonne zu belasten.

Und das Waschmittelrezept gibt’s hier zum selber ausprobieren:

Man nehme die glänzend braunen Rosskastanien, schneide sie in Viertel und gebe sie in den Küchenmixer, bis sie etwa wie grob gemahlene Haselnüsse aussehen.
Das wird dann auf ein Backblech oder ein großes Tablett zum Trocknen gegeben.

Nach etwa einem Tag (z. B. in der warmen Küche) ist das Pulver trocken und kann in einen Vorratsbehälter eingefüllt werden.

Um daraus jetzt ein Flüssigwaschmittel herzustellen nimmt man 30 Gramm Kastanienpulver, gibt es in einen hohen (hohen!) Rührbecher, gießt einen Liter kaltes Leitungswasser dazu und mixt es mit dem Pürierstab 2 bis 3 Minuten lang durch.Stehen lassen bis sich das Pulver absetzt – zurück bleibt eine milchige Flüssigkeit.

Diese Flüssigkeit wird durch ein Sieb abgegossen und ist ein super Waschmittel! Die Dosierung ist wie beim gekauften Waschmittel – ich verwende rund 50 ml pro Waschgang. Das getrocknete Kastanienpulver hält ca. ein Jahr, das flüssige Waschmittel einen Monat.
Bei hartem, kalkhaltigen Wasser ist es ratsam, einen Esslöffel Apfelessig bei jedem Waschgang dazu zu geben. Und wer’s duftig mag, kann Hydrolate (wässrige Auszüge) von Kräutern und Blüten (Lavendel, Rose) nach Belieben dazu geben.