Wenige Zentimeter von unserer Schuhsohle entfernt liegt ein Kosmos, der den meisten von uns fremd und unbekannt ist wie ein ferner Planet mit geheimnisvollen Bewohnern: über die Hälfte aller Lebewesen auf der Erde leben im Boden! Einen Großteil dieser Arten kennen wir noch gar nicht – der Boden ist eine wahre Schatzkiste der Biodiversität.
Lebensraum, Wasserspeicher und Wasserfilter, Grundlage für unsere Ernährung und Klimaschützer – unser Boden ist so viel mehr als nur der Untergrund, auf dem wir gehen. Auf einem Quadratmeter fruchtbarem Boden mit einer Tiefe von dreißig Zentimetern befinden sich rund achtzig Regenwürmer, fünfzig Asseln, eine Million Fadenwürmer und Wimpertierchen, eine Milliarde Pilze und eine Billion Bakterien. Als Humus bezeichnen wir den Bestandteil des Bodens, der maßgeblich darüber entscheidet wie fruchtbar, locker und lebendig ein Boden ist.
Der Dokumentarfilm »Humus – Die vergessene Klimachance« informiert über die viel zu wenig beachteten Zusammenhänge zwischen Bodenqualität, Landwirtschaft und Klimaveränderung. So gibt es unter anderem einen Bericht über die Ökoregion Kaindorf in Österreich, wo in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien untersucht wurde, wie sich aktiver Humus-Aufbau in der Landwirtschaft auf die CO2-Bilanz auswirkt.
Das Ergebnis nach fünf Jahren Forschung ist beeindruckend: Würde die gesamte Landwirtschaft in Österreich nach diesen Prinzipien wirtschaften und den Humus-Aufbau in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen, würde Österreich die Maßgaben aus dem Kyoto-Protokoll erfüllen.
Global verursacht die Landwirtschaft durch intensive, rücksichtslose Bearbeitung von Böden etwa 30 Prozent der Treibhausgas-Emissionen. Aber genau deshalb liegt in der Landwirtschaft auch eine enorme Chance für die Rettung des Klimas, denn die Forschungsergebnisse zeigen: gezielter Humusaufbau gewährleistet eine nachhaltige CO2-Bindung.
Zudem sind humusreiche Böden hervorragende Wasserspeicher, sind gut gewappnet gegen Dürre und Starkregen, geschützt vor Nährstoffverlust und Erosion und Garant für stabile Ernteerträge.
Auf den Boden in unseren Gärten haben wir selbst unmittelbar und direkt Einfluss.
Wir haben es buchstäblich in der Hand, wie der Boden unseres Gartens genutzt und bearbeitet wird. Wir können mit einer Fülle an Maßnahmen den Humusaufbau und das Bodenleben fördern und damit unseren Gartenboden fit machen für extreme Wetterereignisse. Es gibt tolle Literatur, spannende Webseiten, eine Fülle an Möglichkeiten! Vielleicht hast Du Lust mehr dazu zu forschen?
Wir beschäftigen uns zum Beispiel gerade (mal wieder) mit EM – Effektive Mikroorganismen. Infos dazu auf der Webseite von EM Chiemgau, ausserdem probieren wir Bodenverbesserung durch Leonardit, bewirtschaften unsere Beete ohne umzugraben mit der sogenannten „no dig“-Methode, etablieren die „Baumfeldwirtschaft“ auf unserem Acker und den Wiesen.
Wenn Du Literatur dazu suchst, ist meine Empfehlung „Die Humusrevolution“ von Ute Scheub und Stefan Schwarzer, „Dynamischer Agroforst“ von Noemi Stadler-Kaulich und „Mulch total: Ein Weg in die Zukunft“ von Kurt Kretschmann und Rudolf Behm.