Es hat geregnet letzte Nacht. Ich gehe barfuss über den Hof, alles ist frisch und feucht und ich spüre, wie eine Last von meinen Schultern fällt, wie sich mein Herz „entkrampft“. Die letzten Wochen waren schmerzhaft – zu sehen, wie so viele Bäume zuerst schlapp, dann braun werden, wie die Feldfrüchte vertrocknen, die Flussbetten brach liegen, die Böden aufreissen. Schmerzhaft trocken. Dieser Regen jetzt ist eine kleine Erleichterung, eine kurze Erfrischung, das Wasser erreicht die Wurzeln der Bäume noch lange nicht. Die Grundwasserpegel sind dramatisch gesunken – um das einigermaßen auszugleichen braucht es ein paar aussergewöhnlich regenreiche Jahre.
Aber der Regen letzte Nacht hat zumindest vorerst die Kartoffeln und Rüben auf unseren Feldern gerettet, all die blühenden Stauden und das Gemüse im Garten. Wir giessen und beregnen unseren Garten und einen Teil der Feldfrüchte seit Monaten – unsere großen Regenwasserzisternen und der Brunnen haben erstaunlich lange „durchgehalten“, aber vor zwei Tagen waren auch sie endgültig leer. Für uns kam der Regen also gerade rechtzeitig – für viele andere definitiv zu spät.
In den News lese ich, wie groß der wirtschaftliche Schaden ist wenn die Flüsse nicht mehr als „Transportwege“ funktionieren. Ich könnt‘ kotzen.

Dieses Foto habe ich auf der Sonnenseite von Franz Alt gefunden: Anhaltende Dürre setzt Flüssen zu. Er schreibt:
Nicht die Flüsse müssen sich den Schiffen anpassen, sondern die Schiffe den Flüssen!Zum Artikel auf der Sonnenseite.
Atomkraftwerke gehen vom Netz, weil unsere LEBENSADERN nicht mehr genug Kühlwasser liefern.
Und dann gibt es da Wissenschaftler und Politiker die sagen, dass „eine so anhaltenden Trockenheit in den Planungen nicht berücksichtigt ist, damit hat keiner gerechnet„.
Es kommt also unerwartet –
im Ernst jetzt?
Seit ich vierzehn Jahre alt bin vernehme ich die Warnrufe der Umweltschützer und Wissenschaftler laut und deutlich. Mein ganzes Erwachsenenleben begleitet mich diese Perspektive – Klimawandel, Wassermangel, Ressourcenverknappung, Wald- und Artensterben….ist es tatsächlich möglich, dass führende Politiker jetzt davon überrascht werden? Dass damit „niemand gerechnet hat“? Nicht einmal beim Bau von Atomkraftwerken???
Ganz schlecht aushalten kann ich, dass wir unseren irren Verbrauch von allem in immer neue Höhen treiben.
Wir fliegen mehr denn je, kaufen mehr denn je, fahren mehr denn je. Und seit Neuestem bequatschen wir jede Kleinigkeit mit unseren neuen „besten Freunden“ – mit Chatbots wie ChatGPT, Claude – und wie sie alle heissen. Die Tagesschau berichtet 2023 über den gigantischen Stromverbrauch der KI’s: „immer mehr Künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz, damit steigt auch der Energiebedarf durch Rechenzentren. Experten zufolge geht es um Größenordnungen des Stromverbrauchs ganzer Länder.“ Aber das scheint niemanden zu stören.
Wie ist es möglich, dass wir so sehr unsere Wurzeln verloren haben? Wie ist es möglich, dass wir nicht spüren, WIE ernst es ist? Dass wir nicht erkennen, dass es höchste Zeit ist uns auf das Wesentliche zu besinnen und alles weg zu lassen, was nicht notwendig ist?
Auch ich konsumiere noch immer mehr als nötig – regelmäßig treffen Pakete von Amazon & Co. ein mit Dingen, die das Leben schöner oder einfacher machen – aber nicht wirklich nötig sind. Ich unternehme Autofahrten die nicht sein müssten. Wir benutzen noch immer Toiletten mit Wasserspülung (!!!), obwohl wir uns seit Jahren mit Komposttoiletten beschäftigen und wissen, dass das eine wichtige und richtige Alternative wäre. Die Trockenheit dieses Sommers ist an dieser Stelle der nötige „Tritt in den Hintern“, um das nun endlich zu vollziehen: wir bauen zwei Komposttoiletten für’s Seminarhaus und rüsten unsere private Toilette um. Ich kann es nicht mehr aushalten, dass bei jedem Spülen kostbares Trinkwasser zu Abwasser wird. Auf der Seite des Bundesumweltministeriums steht dazu: „Durchschnittlich fast 40 Liter, also rund 30 Prozent des täglichen Trinkwasserverbrauchs, entfallen auf die Toilettenspülung. Hier besteht ein großes Einsparpotential. Bei älteren Toiletten fließen circa 9 bis 14 Liter pro Spülung durch das WC-Becken, obwohl 6 bis 9 Liter für einen einwandfreien, hygienischen Spülvorgang völlig ausreichen würden.“
Aber auch das ist mir noch zu viel! Unsere Ausscheidungen sind – richtig behandelt – wertvoller Dünger. Es gibt kluge, erprobte und ausführlich beschriebene Verfahren, z. B. mit EM (effektiven Mikroorganismen), Terra Preta usw.
Der Künstler Friedensreich Hundertwasser zum Beispiel hat schon in den 1970er Jahren seine eigene Humustoilette entwickelt. Zum Text von Hundertwasser: Die Humustoilette
Diese Toilette setzte er sowohl im Garten als auch in seinen Wohnungen bzw. Häusern ein. Die von ihm entwickelten Systeme stellte er allen Interessierten mit Bauanleitungen zur Verfügung. Er ging sogar so weit, auf Lüfter zu verzichten, da er es blödsinnig fand, dafür auch noch Strom zu verbrauchen. Trotzdem hatte er weder mit unangenehmen Gerüchen noch mit lästigen Fliegen zu kämpfen. Beim Bedecken der Hinterlassenschaften auf seiner Komposttoilette setzte Hundertwasser auf Humuserde aus dem Wald. Der kreative Umweltaktivist entwickelte zu seiner Humustoilette eine eigene biologische Wasserkläranlage.Verschiedenste Wasserpflanzen und Terrassensysteme sorgten dafür, dass Urin und Haushaltsabwässer ganz natürlich geklärt wurden. Seine Anlage gibt es sowohl für den Innen- als auch für den Außenbereich mit jeweils spezifischen Pflanzen im Einsatz. Das Prinzip ist so einfach wie genial, denn das Schmutzwasser wird durch die Wurzeln und die abbauenden Bakterien gefiltert.
Die Indoor-Variante dieses Filtersystems kann man übrigens im KUNST HAUS WIEN bestaunen.
(Quelle: https://www.kildwick.com/de/entdecken/wissenswertes/ein-pionier-der-trockentoilette-friedensreich-hundertwasser)
Erprobte, vom Gesundheitsamt zugelassene Trockentoiletten gibt es auch ganz einfach zu kaufen:
https://www.clivusmultrum.de/
….
Vor rund 20 Jahren habe ich einen jungen Mann kennengelernt, der aus Australien nach Deutschland kam und erstaunt war zu sehen, dass bei uns die Autos mit Wasser gewaschen werden! Er hat kurzerhand die biologisch einwandfreie, komplett wasserlose Reinigungsmethode nach Deutschland „importiert“ und sich mit dieser Idee selbständig gemacht. Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter für ökologische Autoreinigung OHNE Wasser – und doch bilden sich regelmäßig lange Autoschlangen vor den Waschstraßen.
Jörg Kachelmann sagte in einem Interview mit Ronzheimer:
„Wenn Sie jetzt irgendwo einen grünen Rasen sehen, dann wissen sie, dass da Asoziale wohnen!“
Ich finde, es ist genau so asozial ein Hochzeitsfest auf Mallorca zu planen und die Gäste einzufliegen, zum Wandern nach Portugal, zum Tanzfest nach Mexiko, zum Yoga-Retreat nach Sri Lanka, zur Visionssuche nach Griechenland oder Nordamerika zu fliegen – und was wir sonst so alles treiben.
Ich bete, dass wir zur BESINNUNG kommen. Erkennen, WIE kostbar, wunderschön und einzigartig all das Leben um uns herum ist.
Dass wir lernen es zu sehen, zu verstehen, zu lieben und deshalb auch zu schützen.
