Wer bin ich – alleine mit mir in der wilden Natur, auf das Nötigste reduziert?
Wer bin ich, wenn ich NICHT „die Tochter von…“, „die Frau von…“ und „die Mama von…“, nicht die „Inhaberin des Lebensraum Kunst“ und nicht die „Höllbachhoferin“ bin? Wer bin ich jenseits von Familie und Freunden, jenseits all meiner täglichen Arbeiten und Verpflichtungen, jenseits dessen, was mich im Alltag ausmacht, mein Leben füllt und mich definiert?

Da war ein wachsendes Verlangen, eine große Sehnsucht in mir, das herauszufinden.
Mich auf den Weg zu machen, um mir selbst auf ursprüngliche Weise zu begegnen – so „pur“ wie nur irgend möglich.
Seit wir hier am Höllbachhof leben, beherbergen wir Jahr für Jahr (mindestens) eine Visionssuche. Ich hatte und habe großen Respekt vor all den Menschen, die sich auf machen um sich ihrer inneren Wahrheit zu stellen, ihrer tiefsten Sehnsucht, ihren Ängsten und Verwundungen
um dann verwandelt, gestärkt, neu aus- und aufgerichtet ins Leben zurück zu kehren.
In allen Kulturen und zu allen Zeiten gab es die Möglichkeit des rituell gestalteten Rückzugs. Die Visionssuche ist ein klar strukturierter Raum, ein bewährter Weg um Klarheit in Krisenzeiten zu finden und um den Übergang von einer Lebensphase in die nächste zu zelebrieren.
Ich bin gerade in den „Wechseljahren“ – die Zeit als Mutter kleiner Kinder, als pflegende Tochter, als Existenzgründerin und Versorgerin liegt hinter mir. Die Zeit als reife Frau, als Ältere, als „Silberfüchsin“ liegt vor mir – und ich freue mich sehr darauf! Wie will ich sie gestalten, diese kostbaren Jahre, vielleicht Jahrzehnte? Worauf will ich meine Kraft und Aufmerksamkeit, die Essenz meiner Erfahrungen ausrichten?

Nach reiflicher Überlegung habe ich meine Visionssuche nicht hier im Höllbachtal angetreten – das wäre meinem Alltag einfach zu nah. Also habe ich anderswo nach guten „Reiseleiterinnen“ Ausschau gehalten und Mirjam und Susanne von FrauenZeit gefunden – ich war bei ihnen in besten Händen!
Gut vorbereitet bin ich aufgebrochen um vier Tage und Nächte mit mir alleine in der wilden Natur zu verbringen.
Diese Zeit ist eine umfassende Fastenzeit – ich habe nicht gegessen, hatte keine Uhr, keine Bücher, selbstverständlich auch kein Handy und keinen Computer, keinen Kontakt mit anderen Menschen. Kein Haus und kein Zelt – lediglich ein Tarp, das mich vor Nässe geschützt hat. Das war ein guter Rahmen um tief zu tauchen – in mich hinein, in alte Muster und Beschränkungen die mir nicht mehr dienen. Es war eine Zeit des Versöhnens, Verabschiedens, des Loslassens und „Entrümpelns“, eine Zeit der Inspiration und Neuausrichtung. Es war eine Zeit für die Frage nach „meinem Platz im Leben“, nach meinen Fähigkeiten und Begabungen. Ein Ausschau-halten nach dem, was jetzt gelebt werden will.
Alle Ängste und Bedenken die ich im Vorfeld hatte (z. B. von Zecken und Mücken „gefressen“ zu werden, unheimliche Begegnungen bei Nacht, übermäßige Kälte und Hitze) erwiesen sich als unbegründet. Das Gefühl, „da draussen“ von Herzen willkommen zu sein, angenommen und beschützt – das war eine zutiefst berührende, überwältigend schöne und kostbare Erfahrung.

Und ich bin mit großer Freude und Dankbarkeit in mein Leben hier am Hof zurück gekehrt. Ich lebe meine Vision, schon lange. Sie hat noch einmal an Klarheit und Strahlkraft gewonnen, es zeigten sich Talente und Ideen, die ins Leben wollen und ich spüre, dass ich ein paar richtig „große Brocken“, die mein Wachsen und Werden eingeschränkt und blockiert haben, auflösen konnte. Der Weg ist frei und das ist wunderbar! Ich werde ihm folgen, Schritt für Schritt.
Im Juli gibt es am Höllbachhof auch wieder eine Visionssuche mit Gabriele Kaupp und Geseko von Lüpke – zwei sehr erfahrene, herzensweise und liebevolle „Reiseleiter“ auf dieser Reise zu Dir selbst.
Du bist herzlich willkommen!
P.S.: Die Fotos in diesem Beitrag stammen von Susanne Weimann, Visionssuche-Leiterin und Fotografin