Bruthühner sind eine Seltenheit geworden.
Wenn ein Huhn brütet, sich also auf ein Nest mit Eiern setzt und so lange sitzen bleibt, bis aus den Eiern kleine Küken schlüpfen, hört es auf täglich ein Ei zu legen. Meist macht es dann sogar eine längere Legepause, denn nach erfolgreicher Brut widmet sie sich zuerst einmal über Wochen liebevoll ihren Küken und sucht frisches, gesundes Futter, um auch die eigenen Reserven wieder aufzufüllen.

In einer Landwirtschaft, die auf Masse setzten muss, weil die Preise und Margen keinen Spielraum lassen, ist ein solches Verhalten unerwünscht weil unrentabel.
Die Eier werden effektiv in Brutautomaten ausgebrütet, Hühner mit starkem Bruttrieb werden nicht weiter für die Zucht verwendet und so bleibt am Ende ein legefreudiges Hochleistungshuhn, das geschlachtet wird sobald es in die erste Mauser (Federwechsel nach ca. 1,5 Jahren) kommt.

Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Hühner alter Hühnerrassen eingekreuzt. Unsere Grundlage war das “New Hempshire”-Huhn – ein gutes und solides “Zweinutzungshuhn”, das leckere Eier legt und auch genug Fleisch ansetzt.

Huehner-bunt

Bunte Hühnerschar mit Hahn

Diese Rasse hat aber keinen ausgeprägten Bruttrieb und so haben wir ein paar Altsteirer Hühner, Sulmtaler, Sperber und Deutsches Reichshuhn (ja ich weiß, ein blöder Name….heisst aber trotzdem so und ist ein tolles Huhn!) eingekreuzt.

Auffällig war sofort, dass die Küken, die von einem Huhn (statt von einem Automaten) ausgebrütet wurden, selbst einen deutlich stärkeren Bruttrieb haben. Im Lauf der Zeit entwickelten sich immer mehr Hühner mit Bruttrieb und im letzten Frühling/Sommer hatten wir insgesamt acht (!!!) Hühner, die sich ein Nest angelegt haben (im Hühnerstall, im Ziegenstall, im Hof…) und Eier ausgebrütet haben. Wir nehmen diese Hühner gerne aus dem Hühnerstall und quartieren sie in ein “Einzelzimmer”, denn auf diese Weise können andere Hühner keine frischen Eier dazu legen und das Bruthuhn kann in aller Ruhe Brutpflege betreiben.

Wenn die Küken schlüpfen, lassen wir die Glucke mit ihrer Schar zuerst in den Hof. Dort sind sie vor Feinden besser geschützt, finden ausreichend Futter und bewegen sich in einem übersichtlichen Rahmen, d. h. die Küken gehen auch nicht so leicht verloren.

Mittagspause auf dem Fels unterm Apfelbaum

Für uns ist es bezaubernd, wenn wir am Tisch in der Stube sitzen und vor dem großen Fenster die Küken mit ihrer Mutter beobachten können!

Pubertäre Hühnerküken auf unserem Fensterbrett vor der Stube

Auffallend ist auch, dass diese Küken – die von ihrer Mutter alles Wichtige lernen – ungleich viel klüger, vorsichtiger und wehrhafter sind als ihre Artgenossen aus dem Brutautomaten. Sie fangen Insekten aus der Luft, wissen wo sie saftige Käfer und Würmer finden, liegen genüsslich in der Mittagssonne und baden in Sand und trockener Erde (auf diese Weise halten sie sich Parasiten vom Leib).

am Futterplatz in der Wiese

Und wenn wir Dir jetzt Lust gemacht haben ein Bruthuhn zu beherbergen
und Du viel Platz und einen sicheren Stall zur Verfügung hast: wir würden in diesem Frühling sogar das ein oder andere Bruthuhn abgeben, denn wir haben nun mehr als wir brauchen und es wäre uns eine Freude, wenn sich zumindest bei Hobbyhaltern wieder natürliche Hühner verbreiten würden (in unserer Familie haben wir schon für entsprechende Verbreitung gesorgt! Neffe und Geschwister sind bereits “infiziert”…).

Schreib’ uns einfach, wir würden uns freuen! info@hoellbachhof.de

Am 22. Dezember 2014, vor fünf Jahren also, sassen wir in Burgweintingen beim Notar und haben den Kaufvertrag für den Höllbachhof unterschrieben. Mein Gott war ich damals aufgeregt….

Fünf Jahre. Eigentlich fühlt sich das völlig unwirklich an.
Wir haben oft das Gefühl, schon viel länger hier zu leben. Wir sind in diesen Jahren Stück für Stück mit dem Hof zusammen gewachsen, vertraut geworden, er ist uns Heimat im besten Sinn des Wortes geworden. Es ist eine Liebesbeziehungen gewachsen zwischen uns und diesem himmlischen Ort mitten in der “Hölle”.

Im Rückblick sehe ich, wie viel wir hier schon “geschafft” haben in so kurzer Zeit:

Am Anfang stand der “Nestbau”. Wir haben die Stube in einen hellen, freundlichen Raum umgestaltet – die dunkle Vertäfelung aus antikem Holz abgebaut, einen Durchbruch in die dicke Granitmauer gestemmt und ein großes Fenster mit Balkontüre zum Hof eingebaut.
Wir haben eine Küche ins Seminarhaus eingebaut, damit die Seminargäste dort alles vorfinden was sie brauchen und wir unseren Privatbereich für uns privat bewohnen. Wir haben Betten für den Gruppenschlafraum gebaut um das Matratzenlager aufzuwerten. Wir haben fünf Gästezimmer im Haupthaus saniert, neu eingerichtet und einen eigenen Zugang geschaffen. Wir haben die Holzterrasse am Seminarhaus erneuert und das Seminarhaus baurechtlich genehmigen lassen.

Seminarhaus im Spätsommer

Wir haben hinter dem Hof eine Streuobstwiese mit 70 Obstbäumen gepflanzt. Haben auf dem Schotterhügel neben dem Parkplatz einen Waldgarten angelegt, der durch viel Mulch und Pflege nun auf fruchtbarem, üppigen Humus wächst.

Obstbaum-jung

Streuobstwiese frisch gepflanzt

Wir haben dreissig Rosenbüsche, zwanzig Lavendelstauden und 50 Phloxstauden gepflanzt, damit Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten den ganzen Sommer über zuverlässig Futter finden.

Blumen und Gemüse

Lavendel, Stefan und ein “Schwalbenschwanz”

Wir haben alte Zäune entfernt, entrümpelt, geputzt und geordnet.

Wir konnten in Zumhof (ca. 5 km von hier) 4 ha Land dazu kaufen – 1 ha Acker und 3 ha Grünland. 40.000 qm die wir biologisch bewirtschaften, wo das Futter für unsere Tiere und Ackerfrüchte für uns wachsen.

Der Acker in Zumhof

Wir haben eine Scheune gebaut und eine Photovoltaikanlage installiert.

Und das ist wohl erst der Anfang, den Ideen haben wir im Überfluss und Freude am Tun ebenfalls.

Im nächsten Schritt werden wir eine neue Holzheizung für den Hof anschaffen. Unsere Ölheizung ist rund 35 Jahre alt und Erdöl ist auf Dauer für uns keine Option. Brennholz gibt es hier im Bayerischen Wald mehr als genug. Der Borkenkäfer vernichtet im trockenen Sommer unzählige Fichten und wir sind zuversichtlich, dass wir auch langfristig unseren gesamten Holzbedarf durch Käfer- und Bruchholz decken können, d. h. wir werden das Holz bei den umliegenden Bauern kaufen, wo wir sicher sein können, dass keine monströsen Maschinen gesunde Bäume abmähen, sondern in kleinteiliger Handarbeit Bruch- und Käferholz aussortiert und zu Brennholz verarbeitet wird.

Unser Traum ist es, den Hof mit weitläufigen Hecken zu umfassen. Wildhecken, die Windschutz bieten, Nistplatz und Futterquelle für Wildtiere sind. Dieses “Projekt” wird sich wohl über Jahre erstrecken – von Herbst zu Herbst ein paar Meter mehr.

In einem nassen Stück Wiese haben wir im Sommer ein “Probeloch” gegraben um über’s Jahr zu beobachten, ob sich dort ausreichend Wasser für einen Teich sammeln ließe. Das Ergebnis ist besser als erhofft: Die Erde dort ist so lehmig, dass sich das Wasser ohne weitere Maßnahme sammelt und hält. Unser “Miniteich” hielt auch in der trockenen Sommerzeit mühelos den Wasserstand! Wir werden die Wintermonate nutzen und beim Naturschutzamt anfragen, um dort ein Biotop mit Teich errichten zu dürfen.

Alles, was wir unternehmen, dient dem einen Zweck: das Leben in dem uns möglichen kleinen Rahmen zu hüten, zu ehren und zu mehren.

Die Lust der Wildtiere ist der Frust des Selbstversorgers….

Seit vier Jahren bewirtschaften wir nun den Garten hier am Höllbachhof. Von Jahr zu Jahr beobachten wir, wie sich das Leben mehrt, wie die Insekten zahlreicher und vielfältiger werden, Bienenschwärme frei in unsere Beuten einziehen, Vogelpaare nisten und ihre Jungen hier groß ziehen.

Bienenschwarm zieht in Beute ein

Aber auch die Wühlmäuse vermehren sich rasant und erobern Beet für Beet unseren Gemüsegarten.

Bei dem berühmten Permakultur’ler Sepp Holzer habe ich gelesen, dass es “keine Schädlinge gibt, nur gierige Gärtner”. Das hab’ ich mir zu Herzen genommen und mich innerlich damit ausgesöhnt, dass etwa ein Drittel der Ernte an unsere Vogelfreunde und die Wühlmäuse geht.

Aber in diesem Jahr hat sich das Verhältnis umgekehrt und das war doch manchmal sehr frustrierend und entmutigend.

Begonnen hat es mit den frühen Zuckerschoten: diese wunderbaren Früchte gehören zu den ersten, die im Garten erntereif werden. Sie sind vielseitig verwendbar und köstlich und ihre Wurzeln reichern so ganz “nebenbei” auch noch den Boden mit Stickstoff an.

Die erste Portion haben wir geerntet. Dann haben die Vögel die köstlichen Kerne in den grünen Schoten entdeckt und allesamt leer gefressen. Das ging schneller als wir Netze aufstellen konnten.

Weiter ging’s auf unserem Acker. Wir haben vier lange Reihen Kartoffeln gepflanzt. Trotz heftiger Trockenheit haben alle gut gekeimt und kräftige, kleine Pflanzen ausgebildet. So dann kamen Scharen von Kartoffelkäfern geflogen und haben sich dankbar auf diesen Pflänzchen nieder gelassen, sich fleissig begattet, Eier gelegt und munter vermehrt. Wochenlang waren wir jede freie Stunde auf dem Acker und haben von Hand tausende Käfer, Larven und Eier abgesammelt. Sobald wir am Ende einer Reihe angelangt waren, konnten wir vorne von neuem beginnen. Es war uferlos.

Kartoffelkäferlarven und Marienkäfer

Die Kartoffelkäfer haben hier keine natürlichen Fressfeinde. Nicht einmal Hühner oder Laufenten mögen die bitteren Gesellen! Sie sind extrem fruchtbar und können in einer Saison drei Generationen auf dem Acker etablieren. Sie fressen in Windeseile die Pflanzen kahl und die Kartoffelernte entfällt vollständig.

Ja, es gibt ein Spritzmittel, das auch die Bio-Bauern einsetzen dürfen. Aber auch wenn es sich bei dem Hauptwirkstoff um ein natürliches Öl handelt (Neemöl), vernichtet es neben den Kartoffelkäfern eben auch alle anderen Insekten, die auf dem Acker leben. Vor allem Marienkäfer legen ihre Eier ebenfalls gerne auf den Kartoffelpflanzen ab, aber auch das grüne Heupferd tummelt sich dort und viele Käfer und Krabbeltiere, die ich namentlich nicht mal kenne. Also scheidet diese Option aus und wir werden uns im nächsten Jahr auf zwei Kartoffel-Reihen reduzieren.  Das ist von Hand leichter zu schaffen und reicht für unseren Eigenbedarf auch.

Kartoffelkäferlarven

Als die Kartoffelkäfer mehr oder weniger erfolgreich abgewehrt waren, hatten dann die Wühlmäuse im Gemüsegarten die Vorherrschaft übernommen: Mehr als siebzig Salatköpfe, mindestens 40 Kürbisse, 12 Gurkenpflanzen und nahezu alle Karotten und rote Beete haben sie vollständig verspeist.

Parallel dazu haben unsere Vogelfreunde, die zum Glück auch die Kohlpflanzen komplett raupenfrei gehalten haben,  die Blaubeeren und Erdbeeren verspeist. Sobald eine Frucht annähernd reif war, war sie weg.

….

Während ich diese Zeilen schreibe, kann ich die Vögel beobachten, die sich den ganzen Tag über das Futter aus unseren drei Vogelhäuschen holen. Verschiedene Meisenarten (Blau- und Kohlmeisen, Tannen- und Haubenmeisen), ein paar Rotkehlchen, Kleiber und ab und zu ein Buntspecht. Ich liebe diese wackeren, kleinen Kerlchen, die so unerschrocken der Kälte trotzen und emsig den ganzen Tag Futter sammeln. Wie könnte ich ihnen die Freude an unseren sommerlichen Beeren verwehren?

Finkenschwarm am Vogelhaus

….

Unser Walnussbaum hat in diesem Jahr spät noch mal Frost abbekommen und deshalb keine Früchte ausgebildet. Dafür hingen die Haselnuss-Sträucher üppig voll. Zum Glück für die Eichhörnchen! In diesem Jahr gab es im Wald überhaupt keine Eicheln und nur sehr wenig Bucheckern  So waren diese Wildtiere in Not und haben innerhalb von wenigen Tagen alle Haselnuss-Sträucher hier am Hof abgeräumt.

Auch dem Eichelhäher fehlten seine Waldfrüchte. Er hat dafür die Samenstände unserer Mohnblumen, von Herzgespann und Liebstöckel gepflückt.

Unser Plan sieht nun vor, dass wir eine lange Reihe im Gemüsebeet komplett mit Hasendraht unterlegen und einfassen, damit wir ein sicheres Beet für Karotten, Salat und Gurken haben.
Und Nussbäume werden so viele gepflanzt, dass auch dann Nüsse für uns übrig bleiben, wenn wir die Waldtiere mit versorgen.
Für die Beeren bauen wir stabile Rahmen mit Netzen, damit wenigstens ein Teil von uns geerntet wird. Wir teilen gerne. Aber am Ende sollte genug übrig sein, dass wir im Winter kein Gemüse einkaufen müssen 😉

 

 

Im April kam ein großer Karton mit 76 kleinen Pflänzchen – unsere zweijährigen Paulownia-Baumkinder aus der Paulownia-Baumschule. Sie sollten unsere Baum-Pioniere auf dem Acker sein.

Im Lauf der nächsten beiden Jahre wollen wir nämlich unseren Acker (1 Hektar in Zumhof) in eine kleine “Baumfeldwirtschaft” umwandeln: Wir werden vier lange Reihen mit Bäumen pflanzen, die den Acker in drei Stücke gliedern. Der große Vorteil einer solchen Mischung aus Acker und Baumreihen besteht im Zusammenspiel: Das Laub der Bäume fördert den Humusaufbau und in den heissen, trockenen Sommermonaten spenden die Bäume den Ackerfrüchten Schatten, bieten Schutz bei Starkregen und Wind. Zudem wird der Ertrag auf der Fläche insgesamt gesteigert: zwar wird sowohl die Ertragsmenge der Feldfrüchte wie auch der Bäume durch die dichte, intensive Nutzung etwas eingeschränkt, zusammen ergibt diese Mischung jedoch eine Ertragssteigerung.

Auch das ist Permakultur: es geht darum, die Garten- und Feldflächen möglichst intensiv zu bewirtschaften, den Ertrag zu steigern, um der Natur im Ausgleich Wildnisräume zurück zu geben. Flächen, die dann entsprechend nicht beerntet und “kultiviert” werden, sondern Rückzugsraum für Wildtiere und -pflanzen sind.

Langfristig ist der Plan, dass die Baumreihen auf dem Acker uns mit Brennholz versorgen. Wir wählen daher Baumarten, die man gut “auf den Stock setzten” kann, deren Stamm also nach ein paar Jahren abgeschnitten wird und die dann in der Lage sind, aus den Wurzeln neu auszutreiben. So werden die Bäume nicht getötet, sondern lediglich das Holz geerntet. Für diese Wirtschaftsweise eignen sich z. B. Weiden, Haselnüsse, Pappeln und: die PAULOWNIA.

Die Paulownia ist noch ein Neuling hier in Europa. Sie stammt aus Asien, ist auch unter dem Namen “Kaiserbaum” oder “Blauglockenbaum” bekannt und bringt viele hervorragende Eigenschaften mit: Sie ist extrem schnellwüchsig, hat aussergewöhnlich hartes, stabiles Holz, speichert große Mengen CO2 durch ihre großen Blätter, sie bildet eine lange Pfahlwurzel aus, die – sobald sie das Grundwasser erreicht hat – es möglich macht, auch harte Trockenzeiten und starke Fröste zu überstehen und sie ist eine hervorragende Bienenweide. Ausserdem ist sie nicht infasiv, d. h. sie breitet sich nicht unkontrolliert auf Kosten heimischer Pflanzen in den Wildnisräumen aus. Der Haken daran: bis ihre Wurzeln das Grundwasser erreichen, ist sie frostempfindlich und in den ersten beiden Jahren braucht sie umfangreichen Schutz vor “Konkurrenz”.

Wir haben für jedes Pflänzchen ein großes Pflanzloch ausgehoben, haben es mit feiner Komposterde gefüllt, die Pflanzscheibe dann großzügig mit Vlies und Mulch bedeckt.

Anfang Mai gab es einen späten Frost, etwa  die Hälfte der Pflänzchen haben leichten Schaden genommen. Sie haben ihre Blätter abgeworfen, später dann aber neu ausgetrieben. Trotzdem war es offensichtlich, dass sie geschwächt in den Sommer gingen.

Dann kam eine lange, trockene und heisse Phase. Wir haben jeden zweiten Tag ausgiebig gegossen, trotzdem hat etwa die Hälfte der Pflänzchen diese Wetterperiode nicht überstanden. Von den 38 Bäumchen die sich behauptet haben und ordentlich gewachsen sind, haben dann im Herbst 28 Stück die Wühlmäuse verspeist.

Zehn kleine Paulownien stehen noch am Acker. Ich denke, wir können dieses Experiment ohne Zweifel als mißlungen bezeichnen. Aber dieses Risiko war uns bewußt und mein Freund Stanko würde sagen: “again what learned” 😉

 

Interessant ist, dass am gegenüberliegenden Feldrand rund 200 kleine Pappeln ganz von selbst angeflogen und aufgegangen sind. Kleine, gesunde Bäumchen, die zwischen den Zwiebeln und Kartoffeln prächtig gediehen sind – ganz ohne Giessen, Mulchen oder Kompostzugaben. Als würde die Natur uns zeigen, wie das auch aussehen könnte…. Wir haben diesen Tipp dankbar angenommen und die stark ausgelichtete Paulownia-Baumreihe mit diesen kleinen Pappeln aufgefüllt.

Jetzt stehen zusammen mit den zehn verbliebenen Paulownien nun 66 regionale Pappeln. Wir sind gespannt, wie viel Leben sich im Frühling dann dort zeigen wird…

Was wir hier definitiv zu viel haben: Wohnraum.
Was wir definitiv zu wenig haben: Hofgebäude.
Es fehlt an Platz für Heu und Getreide, für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte.

Deshalb suchten wir nach einer Lösung – einem Platz für eine Scheune, ohne dafür einen der vielen lauschigen Orte rund um unseren Hof bebauen zu müssen. Von einem Mitarbeiter des Landratsamtes kam dann die zündende Idee: es war gut machbar, an die bereits bestehende Scheune anzubauen.

Wir haben den entsprechenden Bauantrag eingereicht und dank der positiven Stellungnahme des Landwirtschaftsamtes (wir sind dort nicht als landwirtschaftlicher Betrieb registriert) wurde unser Antrag auch genehmigt.

Ende Juli, kurz nachdem die Solaranlagenbauer abgezogen waren, kam Robby Herbst, ein befreundeter Zimmerermeister aus Hohenbrunn mit seiner Frau Heike und hat das Fachwerk aus dicken Balken für die neue Scheune errichtet und den Boden im 1. Stock verlegt. Die Handwerker hier aus der Umgebung hatten zuvor eine solide Zufahrt geschaffen und das Fundament gemauert.

Bei hochsommerlicher Hitze haben Robby und Heike zwei Wochen lang gehämmert und gesägt, gebohrt und geschraubt. Als das Dach dann mit Dachpappe dicht war, sind sie in die wohlverdienten Ferien gefahren.

Stefan hat mit seinen Söhnen Kai und Jonas das Dach anschließend mit Schindeln eingedeckt.

Die Verbretterung entsteht nun in Etappen – wann immer Jonas uns am Hof besucht, baut er weiter. In der Nordseite zum Innenhof hin befinden sich zwei hübsche Fenster und eine fast unsichtbare Tür. Die Südseite ist noch offen, die Giebelseite bekommt noch ein großes Scheunentor, ein kleineres im 1. Stock ist bereits fertig eingearbeitet.

In diesem Anbau lagert jetzt unser Getreide, in das 1. OG kommen im nächsten Sommer die frischen Heurundballen und auch für den Traktor und die Heumaschinen gibt es genug trockenen Stellplatz.

Unsere Hühner haben jeden Bauabschnitt mit großer Neugier begleitet, sassen bei den Zimmerleuten auf den Böcken, haben die Fachwerk-Nischen wie einen Setzkasten belegt und  geniessen es offensichtlich, dass bei schlechtem Wetter nun zusätzlicher überdachter Raum zur Verfügung steht.

Im Frühjahr werden wir russischen Wein pflanzen, der dann das gesamte Gebäude erobern darf, den Vögeln Nistplatz und im Herbst Futter zur Verfügung stellt und das Bauwerk mit einem “Fell” aus Blättern überziehen wird…

Endlich ist es so weit: im Juli haben wir eine Solaranlage mit 9,92 kWh auf dem Dach des Haupthauses installiert und Mitte September wurde unser “Hauskraftwerk” mit Batteriespeicher geliefert. Wenn alles läuft wie geplant und berechnet, können wir in Zukunft 70 % unseres jährlichen Strombedarfs mit Sonnenenergie von unserem eigenen Dach decken.

Die Sonne “liefert” insgesamt 10.000 mal mehr Energie, als wir weltweit verbrauchen. Emissionsfrei, kostenlos, dezentral. Wie alles in der Natur ist auch dieses Geschenk großzügig und üppig.

Unser Hauskraftwerk, ein E3DC PRO, hat neben einer Vielzahl anderer, nützlicher Funktionen auch eine Anzeige, von der wir in jedem Moment ablesen können, wie viel Sonnenstrom gerade vom Dach kommt, wie viel Strom in den Batterien gespeichert ist und wie viel wir aktuell verbrauchen.

Stefan und ich schmunzeln und witzeln fast täglich darüber, WIE oft wir in den Technikraum gehen um auf der Anzeige den aktuellen Stand abzulesen. Wann immer möglich richten wir uns nun mit den Betriebszeiten unserer “Stromfresser” (Backofen, Kreissäge, Getreidemühle, Waschmaschine etc.) nach dem verfügbaren Strom.

Mit der Planung und Ausführung der Anlage hatten wir Martin Kittel beauftragt. Ich kannte ihn schon aus Hohenbrunn – er hat auch dort vor neun Jahren eine Photovoltaikanlage auf unser Dach gebaut. Martin ist ein überaus kompetenter “Überzeugungstäter” – er kennt sich wirklich aus und baut das, wovon er überzeugt ist. Er arbeitet mit Herz, Hand und Verstand. Und so wie ich uns einschätze, war er und sein Familien-Team wohl nicht das letzte Mal für uns tätig 😉

 

Frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, knuspriges Brot, selbst gemachter Joghurt und Käse, Wasch- und Putzmittel aus natürlichen Zutaten.…es ist eine Freude, sich selbst mehr und mehr mit gesunden Lebens-Mitteln versorgen zu können. Ein sinnvolles, gutes Leben zu führen im Einklang mit der Natur.

Es ist uns ein Herzensanliegen, mit den Methoden der Permakultur diese Fähigkeiten und Fertigkeiten hier am Hof zu leben, zu kultivieren und auch zu vermitteln.

Im August 2020 laden wir herzlich ein zu einem Permakultur Praxiskurs für Selbstversorger mit Bernhard Gruber. Bernhard ist Waldgärtner, Permakultur-Aktivist und Buchautor aus Österreich. In zahlreichen Kursen im In- und Ausland vermittelt er Permakultur-Praxis für den Hausgarten, für Landwirtschaft und Gemeinschaftsgärten.

Wie legt man Beete und einen Waldgarten an?
Wie sät, pflanzt, pflegt und erntet man Gemüse?
Wie wird die Bodenfruchtbarkeit und Bodengesundheit gefördert?
Wie kann man eigenes Saatgut gewinnen?
Wie macht man aus natürlichen Zutaten Wasch- und Putzmittel?
Wie wird aus frischer Milch Joghurt und Käse?
Wie baut man einen Brotbackofen und eine einfache Komposttoilette?

Das und vieles mehr wird er in diesem Kurs praktisch vermitteln.
Unterstützt wird er von Sieglinde Gruber (Ernährungsberaterin und Permakultur-Praktikerin), Gabriele Altmann (Kräuterfrau, Wasch- und Putzmittel), Stefan Knecht (Höllbachhof-Bauer und Käser) und Elisabeth Schmuck (Höllbachhof-Bäuerin).

Dieser Kurs eignet sich für jede/n, der die Verantwortung für das Leben wieder in die eigenen Hände nehmen möchte, der Freude an Gartenarbeit hat und an der  Zubereitung von gesunden Lebensmitteln.

Der Kurspreis beträgt 650 Euro zuzügl. Übernachtung und Verpflegung.
Das Anmeldeformular kannst Du hier als PDF herunter laden: Anmeldung-Selbstversorgerkurs

Für Fragen zum Kurs kannst Du Dich direkt mit uns (Elisabeth und Stefan vom Höllbachhof) in Verbindung setzten. Am besten erreichst Du uns per email unter
info@hoellbachhof.de oder per Telefon unter 09484 – 951 704.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.

 

Es gibt viel Spannendes, Interessantes, Nährendes zu lesen und zu sehen. Eine (sehr kleine) Auswahl unserer “Lieblinge” möchten wir Dir hier kurz vorstellen:

Zeitschriften:
BRENNSTOFF, Zeitschrift der GEA, Brennstoff und Herz und Seele.
LINK zum Brennstoff online

OYA – anders denken. anders handeln
Viele “good news” und Gedanken rund um Permakultur, zukunftsfähige Lebensweise, Gemeinschaft etc. Hier geht’s zur Online-Oya

Bücher:
Foodcrash – wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr. Felix zu Löwenstein, Ökobauer und Buchautor.
Hier der LINK zur Kurzbeschreibung auf NATURLAND.DE

Wer die Saat hat hat das Sagen
von Anja Banzhaf über Saatgut, Freiheit und die Macht der Konzerne. LINK zum Oekom-Verlag

Permakultur beginnt im Garten – Selbstversorgung mit Gemüse
Autorin: Marlies Ortner, Herausgeber: Permakulturakademie im Alpenraum (PIA). Dieses Buch ist eine Kostbarkeit! Jede Menge PRAXISwissen in kompakter Form. Etwas, wonach ich lange gesucht habe! Hier gibt’s alle Infos

Richtig gutes Brot
Autorin: Eva Maria Lipp
Nach vielen Brotbackbüchern und Sauerteigtheorien hat mir dieses Buch alles geliefert, was ich brauche: ein einfaches, praktisches Sauerteigrezept und eine unglaubliche Fülle toller Brote! Hier der LINK zur Buchbeschreibung auf Löwenzahn.at

Handbuch Bio-Gemüse
Autorin: Andrea Heistinger und Arche Noah
Alles, was es über Bio-Gemüse zu Wissen gibt. Ein absolutes BASIC für jeden Gemüsegärtner. Und weil Andrea Heistinger an sich eine Fundgrube für derlei Literatur ist, hier der Link zu Ihrer Webseite

Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus
Autorin: Shoshana Zuboff
“Die Harvard-Ökonomin schreibt so gut, dass man endlich versteht, worüber alle schon so lange reden: Wie genau unser Verhalten manipuliert wird – und was man dagegen machen könnte.« Niklas Maak” LINK zur Buchbeschreibung auf campus

Als Autoren grundsätzlich lesenswert:
Harald Welzer (z. B.: Selber denken, Wir sind die Mehrheit, Smarte Diktatur). Am besten direkt nach Harald Welzer im Internet suchen und fündig werden.

Wolf-Dieter Storl (z. B. Der Selbstversorger, Die Seele der Pflanzen, “Unkräuter” in meinem Garten u.v.a.). Alle Schätze findet man auf seiner Webseite

Filme
Gegen den Strom – Fein gemachter Kinofilm 
Scharfzüngiges Drama aus Island um eine Umweltaktivistin, die mit Sabotageakten gegen die Industrie kämpft — bis plötzlich ein langersehnter Traum wahr wird.
(Der Trailer ist ziemlich klamaukig! Bitte nicht abschrecken lassen!)

Alphabet – Angst oder Liebe
Ein Film von Erwin Wagenhofer.
Eine Kostbarkeit! Ganz besonders empfehlenswert.

Eine der letzten “Aktionen” im vergangenen Herbst war eine weitere Pflanzung. Wir haben ein Stück Wiese an unserer Grundstücksgrenze zum Wanderweg mit Obstbäumen und Sträuchern bepflanzt. Es war ein sehr unauffälliges Stück, ein spitzer Ausläufer unserer Weide. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die Ausstrahlung eines Stück Landes sofort ändert, wenn dort Bäume und Sträucher gepflanzt sind.

Für unsere “Selbstversorgung” haben wir inzwischen mehr als genug. 64 Obst- und Nussbäume, rund 40 Beerensträucher – wenn die alle mal “erwachsen” sind,  haben wir weit mehr als genug.

Trotzdem ist der Plan im Lauf der Jahre die Ränder unserer Wiesen und Felder mit dicht mit Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen, Hecken anzulegen und auf diese Weise kleine Lebensinseln für Wildtiere, Vögel und Pflanzen zu schaffen.

Wir haben das große Glück, dass es rund um den Höllbachhof kaum “industrielle Landwirtschaft” gibt. Wir liegen am Naturschutzgebiet, umgeben von extensiv wirtschaftenden Nebenerwerbslandwirten. Es gibt Raine und Baumgruppen mitten in den Feldern und wilde, ungenutzte Wiesen.

Aber auch in solchen Schutzgebieten ist der Rückgang der Arten enorm – 75 % weniger Insekten und Vögel wurden verzeichnet. 75 % RÜCKGANG in den Schutzgebieten!!! Wie es ausserhalb solcher Lebensinseln aussieht, ist kaum zu ertragen. Also pflanzen wir auch hier, denn MEHR geht immer 🙂

“Gardening is an act of faith in the future”. 
(Schriftzug auf der Bank eines Gemeinschaftsgartens).

Das vergangene Jahr war überall gekennzeichnet von großer Trockenheit.
Es war unser erstes Jahr auf dem neuen Acker und dieses Stück Land hat uns trotzdem mit einer unglaublich reichen Ernte beschenkt.

Eine ganz besondere Freude war, dass beim Ausgraben der ersten Kartoffeln ein zwinkernder Kartoffelkerl zum Vorschein kam!
Ich kann nicht anders als das als Gruß der Erde an uns zu interpretieren. Wir haben den Acker von Hand bestellt, die Saatkartoffeln im Frühjahr Stück für Stück in die Erde gelegt, angehäufelt, tagelang im Frühsommer die Kartoffelkäfer abgesammelt und die reifen Früchte dann im Herbst mit der Gabel ausgegraben und von Hand eingesammelt.

Stefan hat zum ersten Mal in seinem Leben auch Getreide von Hand gesät – mit der Säwanne ist er über den Acker gelaufen, ließ die Haferkörner durch die Hand gleiten und bestellte so das Feld.

Um das Getreide auf natürliche Art vor zu starkem Unkrautdruck zu schützen, hat Stefan mit der “Kleegeige” (lt. wikipedia ein “altertümliches Gerät zum Ausbringen von Feinsamen”) Kleegras mit auf den Getreideacker ausgebracht (quasi als BIO-Antwort auf Glyphosat & Co.). Nach der Getreideernte bildet das Kleegras eine bodendeckende, lebende Mulchschicht, die den Boden mit Stickstoff anreichert und vor Erosion schützt.

Es ist eine persönliche Bindung, eine Beziehung zu dem Stück Land gewachsen, zum Boden, zu den Insekten die dort leben.

Wir haben die Kartoffeln, Futterrüben, Sonnenblumen und den Hafer über Monate hinweg mit unserem Lächeln und unserer Freude begleitet.
Und genau dieses Lächeln kam dann bei der Ernte zurück.

Erntedank.
Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht aus ganzem Herzen dankbar sind.
Dankbar für diesen wundervollen Ort, für dieses schöne, kraftvolle, heilende Zuhause.
Für die Nahrung, die uns der Sommer geschenkt hat und die uns auch durch den Winter bringt.
Für die Tiere, die unsere Freunde und Gefährten sind.
Und für die Freiheit, die wir hier erleben dürfen.